Filmkritik MASTER CHENG IN POHJANJOKI (Start 30.7.20)

Wenn ich an finnische Filme denke, fallen mir ja vor allem diese wortkargen, schwermütigen Typen ein aus den Filmen von Aki Kaurismäki ein. Typen, die offenbar irgendeinen Plan im Kopf haben, aber nicht darüber reden können oder wollen. Mit MASTER CHENG IN POHJANJOKI kommt im Juli ein Film in die Kinos, der zwar von dem Bruder von Aki Kaurismäki gedreht wurde , aber sogar nicht zu diesem Bild passt… MASTER CHENG IN POHJANJOKI erinnert eher an eine französische Komödie vom Stil her, nur dass sie eben in der finnischen Sommerlandschaft mit langsamer denkenden und redenden Protagonisten spielt.

Cheng fährt nach dem Tod seiner Frau mit seinem Sohn in das finnische Dorf Pohjankjoki um einen finnischen Freund zu suchen… Nur kennt den leider keiner…. Dafür lernt er aber die warmherzige Sirrka und ein paar schrullige Finnen kennen, denen er hilft und die ihm helfen. So ist MASTER CHENG IN POHKANJOKI ein ganz und gar warmherziges, fast schon kitschiges Coming-of-Age zweier Menschen, die Schicksalsschläge hinter sich haben, die aber der Lebensmut nicht verlassen hat und die genau das füreinander sein könnten, was dem jeweils anderen fehlt… Nur ist Sirrka zwar eine ausgesprochen lebenspraktische Frau und Cheng ein ausgesprochen begabter Koch, aber ihre Meisterschaft über Gefühle zu reden und sie dem anderen zu zeigen, dass müssen sie erst noch miteinander lernen…

Dazu braucht es im Film ausgesprochen lange Zeit. Nun es ist eben auch keine französische Komödie, sondern eine finnische. Dafür macht es Mika Kaurismäki den beiden aber nicht noch extra kompliziert, damit der Film länger dauert. Denn der dauert mit knapp zwei Stunden ohnehin ein wenig länger als normal. Die Länge spürt man, auch weil man sich auf sein Erzähltempo einlassen muss.

Dafür wird man belohnt mit tollen Landschaftsbildern, liebevollen Originalen und ein wenig mehr Tiefgang, als in einer französischen Komödie – auch wenn manches hier und da ein wenig zu sehr hingeschrieben ins Drehbuch wirkt, wie die gestrenge, skeptische Grundschullehrerin, die mit ihrer Klasse eine Exkursion zum chinesischen Koch macht… Aber egal, wer französische Liebeskomödien mag, wird auch mit MASTER CHENG IN POHJANJOKI seine Freude haben. Und wem das zu flach ist, der schaut ohnehin besser die Filme von AKI Kaurismäki.

Titel: MASTER CHENG IN POHJANJOKI

Land: Finnland, China, Kinostart: 30.07.2020 Laufzeit: 114 Min

Regie: Mika Kaurismäki  Mit: Anna-Maija Tuokko, Chu Pak-hong, Kari Väänänen, Lucas Hsuan 

Originaltitel: MESTARI CHENG Jahr: 2019 Sprachfassung: dtF, OmU